Nr. 38

Abstandsgebote eines Penners

»Du findest alles Scheiße«, sagt sie und nimmt einen Schluck aus dem Weinglas.

 

»Schwachsinn«, widerspricht er. Weiß, daß nun der Angriff beginnt. Hier im Biergarten.

 

»Stimmt DOCH!«, spuckt sie ihm ins Gesicht. Sie wischt ihre Mundwinkel frei, zieht die Schultern zurück, geht in Kampfposition.

Dann gibt sie alles, was sie hat, als 60-Kilo-Wrestling-Fighter: »Fernsehen, Kino, Serien, Filme, alles Scheiße, sagst du! Neue Bands, neue Bücher, auch alles Scheiße! Langweilige, oberflächliche, nichtssagende Scheiße! Schau dich an - deine Klamotten sind von vorgestern, niemand außer dir trägt heutzutage solche Fetzen! DA - Dreck und Zahncreme auf deinem Shirt! Teeflecken! Ist dir das nicht peinlich? Du siehst aus wie ein Penner! Du bist unrasiert, wann warst du zuletzt beim Frisör? Oder bei einem Konzert, hm? Du meckerst über Ticketpreise von 80 Euro, alles Nepp, Betrug, Abzocke, alles Scheiße! An nichts läßt du ein gutes Haar! Wie ein starrsinniger Greis dem man nicht mal den Hintern abwischen darf, weil er sonst ausrastet! Bei Facebook, Instagram oder Twitter sieht man dich gar nicht mehr! Nie antwortest du auf meine Nachrichten! Hast kein Handy dabei, wenn du unterwegs bist, oder du schaltest es ganz ab, ich kann dich nie erreichen! Weil das alles Scheiße ist, sagst du! Sitzt lieber zuhause rum, tippst irgendwelchen Mist in eine alte Schreibmaschine! Du bist am Ende, du verkalkst und wirst alt! Du weißt gar nicht mehr, wie man lebt!«

 

Ok, ein paar Treffer hat sie gelandet, denkt er. Aber sie hat was vergessen:

Den Scheiß, der uns beide vor 30 Jahren ankotzte.

Dem wir den nackten Arsch zeigten und die Faust,

den wir verachteten und über den wir uns zusammen amüsierten.

Diesen Scheiß halte ich immer noch auf

 

A b s t a n d

 

Sie dagegen amüsiert sich jetzt beim Schlagermove, schaut Dschungelcamp und Heidi Klums GNTM, das ist ihr pralles Leben. Und mir zeigt sie Verachtung mit jedem Wort aus ihrem Mund. Der jedes Jahr häßlicher wird, von all dem Auswurf, den Eruptionen, der Galle, dem Pressen. Ein unüberwindlicher Graben.

 

Und jetzt? Was tun? Ihr das sagen? Den Fight annehmen, LAUTER SCHREIEN und ihr zeigen, daß er’s immer noch draufhat? Oder einfach die Fresse halten?

 

Er schaut durch sie hindurch, sieht einige Tische weiter diese Brünette, auf keinen Fall älter als 25. Das pralle Leben, ihr Mund ein Versprechen, die Augen offen in Erwartung kommender Ereignisse.

 

Schauen durch ihn hindurch.

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