Bahnhof verstehen heißt Ja zum Leben

Im ukrainischen Lyman sind russische Truppen nun eingekesselt - läuft auf ein riesiges Gemetzel hinaus - oder eine Kapitulation von 3000 Soldaten. Es geht da nicht zuletzt um einen wichtigen Verbindungsbahnhof. Also, ich würde an deren Stelle kapitulieren – ist doch völlig bescheuert, für Schienen und Züge zu sterben!

Was Bahnhöfe angeht, kann ich mitreden. Schließlich war ich mehrere Jahre stolzer Besitzer einer Bahncard 100 und klapperte unzählige Strecken und Bahnhöfe ab. Und eine Schrumpfversion von »Stuttgart 21« gibt’s nun direkt vor meiner Haustür: Der S-Bahnhof Diebsteich soll zur ICE-Halte aufgerüstet werden; dafür fällt der bisherige ICE-Sackbahnhof Altona weg.

Zu Beginn war ich sehr skeptisch. So ein jahrelanges Großprojekt schmeckt nicht sehr lecker - Schmutz, Lärm, während der Bauarbeiten keine fixen S-Bahnfahrten, Baustellen für zwei Bürotürme. Und danach gehen die Mieten der Umgebung in die Höhe - oder ich werde rausgeschmissen, wegen »Eigenbedarf«. Große Scheiße - mit 70 oder 75 Jahren, die ich dann auf dem Buckel habe!

Hört sich ebenfalls nach Einkesselung an, oder? Nur daß mir hier keine Soldaten mit Bomben und Granaten auf den Pelz rücken, sondern Bauarbeiter mit Preßlufthämmern und Spekulanten mit dem Kündigungsbescheid. Hatte mir schon ernsthaft Gedanken gemacht abzuhauen, bevor es losgeht. Vielleicht zurück nach Hannover oder Wuppertal. Oder gleich nach Berlin und dort gepflegt abkacken. In irgendein Betonsilo einmieten und kaputte Geschichten über Kaputte schreiben, bis ich vom Fleisch falle.

Mittlerweile sehe ich das anders: Da kommt ein Abenteuer auf mich zu, das will ich nicht missen! Mir ging immer schon auf den Sack, in einer gottverlassenen Gegend zu wohnen, in der mich jemand nachts erschießen kann und keiner merkt’s.

Wenn jetzt kein Stein auf dem anderen bleibt, ist das gut so. Hinterher habe ich einen Bahnhofskiosk, in dem ich wie mit 14 in Comics schmökern kann, speise in Fastfood-Läden aller Art - vielleicht sogar in einer Pommesbude! Bettler werden die Hand aufhalten, und ich könnte Koks kaufen, wenn ich wollte. Oder Frauen. Bullen werden überall herumlungern, besoffene Konzertbesucher die Gegend verunsichern - ein Saal für größere Veranstaltungen wird nämlich auch gebaut! Ich rechne mit Schlägereien.

Es wird also was los sein. Genau das, was ich wollte und immer geliebt habe! Und jetzt macht die Bahn ernst: Gestern lag eine Karte im Briefkasten, in der die Schließung der S-Bahn-Station zum 15. Oktober 2022 angekündigt wurde. Das große Abenteuer beginnt, und ich bin mittendrin!

Jetzt erst mal den nächsten PERRY RHODAN lesen und die Zeit bis 14 Uhr totschlagen. Dann hält Putin seine große Rede und annektiert, daß es kracht, während einige Tausend Kilometer weiter der Bahnhof Lyman geschlossen wird. Danke, der Dritte Weltkrieg geht weiter!

Für mich kein Problem, schließlich führe ich heute ein neues Gasexperiment durch: Wie viel Kubikmeter verbrauche ich, wenn ich ausschließlich das Arbeitszimmer auf 19-20 Grad heize?

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