Nr. 72

Barbara und das Nichts

aus »Schlund«, 2018

Wie eine verzweifelte Kakerlake tanzte ich auf der heißen Herdplatte. Die Tage und Nächte schienen nach einem immergleichen, unveränderlichen Schema abzulaufen, meine Ausbruchspläne kamen keinen Millimeter voran. Dennoch standen sie jeden Morgen ganz oben auf der Liste. Niemals aufgeben!

Manchmal dachte ich, ich sei in einer Zeitschleife à la Star Trek gefangen. Ich schrie nach der Enterprise und auch nach Perry Rhodan, aber die hatten genug damit zu tun, ihr Schiff und die Menschheit zu retten. Keine Antwort aus dem All.

Im Marvel-Universum war der Gewaltige Hulk mehr als einmal zum schwächlichen Bruce Banner geschrumpft – in meinem Leben Prinz Eisennagel zur Heftzwecke. Alles wird ein schlimmes Ende nehmen!, heulte ich in mich hinein.

Als mir bewusst wurde, dass ich mich zum Affen machte, atmete ich tief durch und setzte mich wieder.

Lass dich nicht provozieren!, dachte ich. Sei lieber froh, dass die Trennung von Barbara ohne größere Kriegshandlungen über die Bühne gegangen ist! Dank einer Wagenladung konstruktiver Lösungen und gegenseitigem Verständnis, ganz ohne Amoklauf. Das war einwandfrei die bessere Alternative, nicht wahr? NICHT WAHR?

Die Geschichte mit Barbara hatte ich an die Wand gefahren, weil ich ein unverbesserlicher Sonderling war, daran gab es nichts zu rütteln. Ich war nicht für das Konstrukt »Ehe« geschaffen.

Auch nach der Trennung wohnten wir weiter im gleichen Mietshaus – Barbara und Lena in der vierten Etage, ich in der ersten. Ich zog nicht weg, weil ich unsere Tochter täglich sehen wollte; außerdem hatten die Mieten in Hamburg mittlerweile schwindelerregende Höhen erreicht, was jeden Umzug innerhalb der Stadt zum Scheitern verurteilte. Ich hatte mich damit abgefunden, in diesem Haus alt zu werden – eine Vorstellung, die mir erträglich schien, weil die Nachbarn ein umgängliches Biotop bildeten und mit Barbara friedlich auszukommen war.

Die Trennung war mir nicht leichtgefallen, meine Flucht hatte ein paar unschöne Spuren hinterlassen. »Manche Dinge muss ein Mann mit sich ausmachen«, erklärte ich, wenn jemand mehr wissen wollte; das hörte sich erwachsen an. Tja.

Die Scheidung im Juli vergangenen Jahres war das I-Tüpfelchen, ein kurzer Prozess: 13 Minuten, zack, bumm, aus!

Hinterher in die Bäckerei, zur Nachbesprechung.

»Alles bleibt wie gehabt«, hatte ich gesagt. »Ich schleppe deine Einkäufe hoch, Lena bekommt mein altes iPhone. Uns trennen nur drei Stockwerke, du kannst dich weiterhin auf mich verlassen.«

Mein neues Leben roch nach Freiheit. Ich fand mit David einen Mitbewohner, und zusammen lebten wir in einer »Jungsbude«, wie Barbara treffend bemerkt hatte.

»Sollte mal ’ne Putzfrau durchwirbeln, Karl«, sagte sie. »Besonders übers Klo.«

»Kannst gerne bei uns saubermachen«, antwortete ich, wir lachten.

So war das mit Barbara und mir. Es herrschte kein Krieg, wir pflegten einen entspannten Umgang, der Blick nach vorn war frei. Wobei ich keinen blassen Schimmer hatte, was es da zu sehen geben könnte.

Die Zeiten, in denen ich mich als Superpunk im Zentrum der Apokalypse gesuhlt hatte und durch bloße Anwesenheit Ordnung in Chaos verwandelte, waren vorbei, dafür gab es zahllose Belege. Jetzt herrschte das Chaos nur noch im Kopf, in meinem Leben passierte gar nichts.

Nichts.

Überhaupt nichts.

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